Und der Dritte im Bunde ... im lyrischen Herbst
Dirk Juschkat und sein Lyrikband: Abgebogen
Seit dem 14. November 2011 lieferbar: "Abgebogen" von Dirk Juschkat


ISBN 978-3-940680-37-2 118 Seiten € 13,80
Lektorat: Regina Schleheck & Harald Landgraf
Fotos: Silvia Kaufmann
Vorwort: Harald Landgraf (er schreibt wie folgt:)
V o r w o r t
Lyrik ist magisch
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erse, Reime, Gedichte, Lyrik, Poesie - viele Bücher sind darüber geschrieben worden. Über den Anbeginn, über die Entwicklung, über die Geschichte, selbst über die Funktionen.
Lyrik als Unterhaltung, Lyrik als Provokation, Lyrik als Liebeserklärung, Lyrik als Antikriegspropaganda, Lyrik als politische Waffe.
Doch immerzu stellt sich die gleiche Frage: Wodurch entwickeln Verse diese enorme Kraft? Weshalb entfalten sie eine solche außergewöhnliche Wirkung auf den Menschen? Es sind doch bloß Wort-Reihen, die künstlerisch zusammengefügt sind, meist mit Endreimen geschmückt – na, und?
Man könnte jetzt ergänzend fragen: Wodurch entwickelt Musik ihre Kraft? Vielleicht käme man damit weiter. Doch ist wirklich der Sprachrhythmus die Quelle? Ist es die gesprochene Melodie, ähnlich jener der Musik, die der Lyrik zur Macht verhilft, tiefer ins Bewusstsein einzudringen, als normale Sätze jemals dazu in der Lage wären?
Lyrik ist magisch, weil sie eben eine dieser geheimnisvollen Anziehungskräfte besitzt, die man nicht genau fassen kann. Vielleicht kann man sie nicht genau beschreiben, weil man dafür ebenfalls „Worte“ bemühen müsste, aus denen Lyrik selbst ja auch besteht. Man stelle sich vor, man müsste einen Kuchen mit den Bestandteilen eines Kuchens beschreiben – man käme nicht über ein Rezept hinaus und doch ist ja das Ganze mehr als die Summe aller Einzelteile. So verhält es sich mit Lyrik.
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yrik ist magisch, weil sie ihre Wirkung auch durch die Worte zwischen den Zeilen entfalten kann, durch die Bilder zwischen den Worten, durch Worte, die eigentlich nicht existieren, wenn man sie auf dem Papier sucht. Und doch scheinen sie niedergeschrieben worden zu sein. Wenn Nichtvorhandenes etwas zu bewegen in der Lage ist, grenzt das – ohne philosophisch zu werden - an Zauberei.
Lyrik ist magisch, weil sie genau einen Zustand darstellen kann zwischen Ausgedrücktem und hintergründig Gemeintem. Als stünde sie zwischen der Absicht zu küssen und eigentlichem Kuss, zwischen erotischer Annäherung und eigentlichem Akt – mal ist sie eben keines von beidem und doch Teil von jedem.
Oder auch mal sowohl das eine, als auch das andere. Und noch mehr kraft der Wirkung unbekannten Ursprungs: Lyrik kann Gefühl sein, Geschmack, Geruch – obwohl sie das ja eigentlich nicht sein kann, weil sie keine Hand, kein Kuchen und kein Parfüm ist. Trotzdem stecken Auslöser in der Lyrik, die genau dazu verhelfen, eben doch als solches zu erscheinen.
Schließlich ist Lyrik magisch, weil sie gleichzeitig Bezeichnendes und Bezeichnetes in die Waagschale zu werfen in der Lage ist und doch Ungleichgewicht herrscht. Oft ist das Bezeichnete mehr, als es aufgrund der bezeichnenden Worte sein könnte – um mal kurz in die Zeichenlehre abzudriften. Manchmal ist auch das Bezeichnende gerade das Bezeichnete, Ursache und Wirkung werden eins, auch das ist magisch.
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urzum, Lyrik kann viel erreichen und somit wohnen auch den Versen Dirk Juschkats ebensolche magischen Kräfte inne, wie sie oben beschrieben stehen. Nicht nur ein Bild, auch ein „Vers“ sagt mehr als tausend Worte. Mögen auch von diesen magische Momente ausgehen.
Harald Landgraf
Journalist, Autor, Literatur- und Kunstwissenschaftler





